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Digitale Mittelschule in Bayern | Podcastfolge 6

Digitale Mittelschule in Bayern | Podcastfolge 6

Auf dem Weg zum zeitgemäßen Unterricht

Klaus Raßhofer ist medienpädagogischer Berater in Schwaben und Mathelehrer im Landkreis Augsburg. Die Grund- und Mittelschule Zusmarshausen hat sich bereits 2010/2011 auf den Weg gemacht als “Referenzschule für Medienbildung” und neue/digitale Medien in den Unterricht integriert. Damit war die Schule auch einer der ersten, die eine eigene Infrastruktur aufbaute: Digitale Tafeln, LAN-Anschlüsse in jedem Klassenraum und zunächst ein eigener Schulserver. Vor drei Jahren bekamen alle SchülerInnen ab der 5. Klasse einen Office 365-Account. Im Schuljahr 2019/20 wurden erste Unterrichtskonzepte mit der digitalen Lernplattform mebis und Microsoft 365 (Teams) erprobt. Heute im Jahr 2020 ist die ganze Schule in der Cloud und mit WLAN ausgestattet. 3-flügelige Touchboards und Schüler-iPads ergänzen den Klassenraum. Das mobile Zeitalter ist da!

Digitaler Unterricht für alle dank Corona

Im Corona-Lockdown wurde zunächst für alle SchülerInnen der Mittelschule ein eigener Schulzugang zur Lernplattform bereit gestellt, und Schritt für Schritt erste Konzepte für den Fernunterricht erbrobt. Kurz vor Ostern wurden dann auch die 240 GrundschülerInnen und alle übrigen Lehrkräfte an Board geholt. Für alle SchülerInnen, die kein eigenes Gerät zum Lernen daheim besaßen, beschaffte, restaurierte und verschenkte die Schule über 20 PCs. Die Aufbruchstimmung im gesamtem Lehrerkollegium hat für einen kräftigen Digitalisierungsschub gesorgt und letzte Hemmungen sich mit den neuen Techniken auseinander zu setzen, konnten abgebaut werden. In der Krise entstand auch die Idee gemeinsam im Team ab sofort Mikro-SchiLfs anzubieten, also kleine Lerneinheiten a 30-45 Minuten von Lehrkraft zu Lehrkraft. Inzwischen finden diese auch schul(arten)übergreifend statt, denn per Videobesprechung können leicht KollegInnen von Nachbarschulen erreicht werden.


Exkurs: Mikro-SchiLf

Mikro-SchiLf steht für “kleine schulinterne Fortbildung” oder “Mikrofortbildung” und meint im Gegensatz zu den Schulinternen Fortbildungen, die meistens ganztägig angesetzt sind, kleine Fortbildungen mit einer Länge von 30-45 Minuten. Mikro-SchiLfs snd eine gute Basis für die sich ständig wechselnden Anforderungen und Bedingungen unserer heutigen Zeit und das nicht erst seit der Corona Krise. KollegInnen und Kollegen bereiten ein für sie relevantes Thema so auf, welches in einer guten halben Stunde notwendiges Wissen vermittelt und evtl. auch Raum zum Ausprobieren lässt.

Vorteile:

  • kleine Lerneinheiten machen Wissen “verdaubar”
  • Zeitinvest bleibt klein und kann oft einfach nach Unterrichtsende durchgeführt werden
  • jeder hat die Möglichkeit etwas beizutragen (unkompliziert und einfach)
  • Ressourcen und Expertisen des eigenen Lehrerkollegiums können gewinnbringend genutzt werden
  • Diversität und Vielfalt des Kollegiums wird sicht- und erlebbar

Neben diesen Vorteilen gibt es nach Jan Vedder wesentliche Prinzipien (Guidelines) für Mikro-SchiLfs, die zum Gelingen beitragen:

Prinzipien von Mikrofortbildungen

  • Aus dem Team für das Team: Das Besondere an Mikro-Schilfs im Vergleich zu anderen externen Fortbildungen ist, dass die Expertise aus der Mitte des eigenen Kollegiums kommt. Die Umsetzung mit der Praxis findet genau da statt, wo sie später mit den Lernenden umgesetzt wird: im Klassenraum der eigenen Schule. Es werden also die tatsächlichen Bedingungen der Schule abgebildet und nicht die Laborbedingungen besonderer Locations bei Tagungen oder Kongressen.
  • Guide on the Side: Die Teilgeber (Anbieter der Fortbildung) bleiben auch im Nachgang ansprechbar und können die KollegInnen begleiten. Es wird ein dauerhafter Austausch möglich und einzelne KollegInnen können bei ihren ersten Schritten in der digitalen Welt an die Hand genommen werden.
  • WeQ statt IQ:  Es ist immer wieder erstaunlich, welche großartigen Ressourcen und Expertisen in einem großen Kollegium schlummern. Gleichzeitig ist es nicht zu erklären, warum diese Talente so oft ungenutzt bleiben. Der gemeinsame Wissens- und Erfahrungsstand des Kollektivs ist logischerweise dem Einzelnen deutlich überlegen. Mikrofortbildungen profitieren davon. Durch Empowerment werden die Lehrkräfte befähigt, motiviert und wertgeschätzt. Ihre Arbeit ist ein wichtiger Bestandteil von Schulentwicklung, denn “Entwicklung ist eine Tür, die sich nur von innen öffnen lässt.” Rolff (2015)
  • Kurz und knackig: Mikrofortbildungen finden in einem zeitlichen Rahmen von ca. 30–60 Minuten statt. Im Kollegium von Klaus Raßhofer wird hierfür gerne die Zeit am Nachmittag nach offiziellem Schulschluss genutzt. Wichtig ist, dass die einzelnen Themen nicht überfrachtet wirken, um die Teilnehmenden evtl. nicht gleich zu überfordern. Die Inhalte sollen schließlich möglichst zeitnah im eigenen Unterricht ausprobiert werden. Des Weiteren sollen die Lehrenden ermutigt werden, nicht jede Anwendung erst bis ins letzte Detail durchblickt zu haben. Da sind die Lernenden oft eh viel schneller. Mikrofobis sind also kein perfektes Produkt und müssen nicht ins Detail didaktisiert werden.
    Hier gilt das Paretoprinzip
  • Geringer Aufwand: Es gibt keine bzw. nur eine geringe Ausfallzeit der Lehrkräfte, denn diese sind nicht tagelang weg. Die Fortbildungen finden mit kurzen Wegen dort statt, wo sie genutzt werden sollen – im Klassenraum. Zur Anmeldung dienen dabei entweder Aushänge im Lehrerzimmer oder es werden digitale Anmeldemöglichkeiten geschaffen.
  • Vielfältige Angebote: Durch die Regelmäßigkeit der Mikrofobis kann ein breites Spektrum verschiedener Themen und Kompetenzen angeboten werden. Insgesamt empfiehlt sich eine gute Mischung: mal etwas fächerübergreifendes, mal etwas für einzelne Fachgruppen. So ist für jeden etwas dabei. 

Neue Unterrichtskonzepte für Tablet-Klassen

Seit dem neuen Schuljahr 2020/21 gibt es nun zwei iPad-Klassen an der Mittelschule und Klaus Raßhofer erzählt im Podcast von seinen Unterrichts-Erfahrungen und den neuen Möglichkeiten, die durch die neue 1:1-Ausstattung entstehen. Außerdem berichtet er von hybriden Unterrichtssettings, bei denen ein Teil der SchülerInnen in der Klasse sitzt und ein Teil (z.B. Risikopatienten) zuhause.

Für alle Mittel- oder Gesamtschullehrkräfte, die sich auf den Weg der Digitalisierung ihrer Schule machen wollen, gibt er folgende Tipps mit auf den Weg:

  • Hindernisse werden kommen und damit muss man umgehen lernen
  • man muss es wagen loszugehen und ausprobieren und dabei auch Fehler machen (dürfen)
  • kleine Schritte gehen und beharrlich sein (für Kritiker Argumente vorbereiten)
  • Unterstützer im Kollegium suchen und ggf. externe Hilfe holen (Info-Webseiten, medienpädagogische Berater usw.)
  • man muss nicht alles Technische überblicken, besser die Tools wählen, die für einen selbst Mehrwert liefern
  • die Eltern frühzeitig mit ins Boot holen (Elternbrief, Elterninformationsabend) und einbinden (Elternbeirat, AGs)

Klaus’ wichtigste Botschaft am Ende: “Schaut auf das, was schon da und nützlich ist, anstatt euch am Fehlenden zu orientieren.”

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