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Elternsicht: Erfahrungsbericht zum virtuellen Homeschooling von Dr. Peter Geißler

Elternsicht: Erfahrungsbericht zum virtuellen Homeschooling von Dr. Peter Geißler

Wie Eltern die CoVid-Krise seit den Schulschließungen im März 2013 erlebt haben, durfte man in den letzten Wochen vielerorts in den Medien lesen. Von einem Versagen der Schule wurde da geredet. Verena Pauser sprach in der Hart aber fair Sendung von 25. Mai:

„Wir haben eine Fünf geschrieben – und müssen jetzt nachsitzen. Wir haben zu lange gehadert und den Digitalpakt nicht umgesetzt.“

Verena Pausder

Es gibt sie aber doch! Die positiven Geschichten und die engagierten Lehrkräfte, die sich u.a. auf Twitter vernetzen und regelmäßig über innovative Lehrkonzepte austauschen. Und genau diese Geschichten möchten wir ja hier auf Zukuftsdidaktik und unserem zugehörigen Podcast erzählen.

Peter Geißler aus Dresden ist einer dieser Eltern, der seine Erfahrung mit dem Homeschooling seiner Tochter bei LinkedIn geteilt hat.

Videounterricht in der Grundschule: Der Anfang in Woche 1-3

In seinem LinkedIn Tagebuch erzählt Peter Geißler im ersten Teil über den Beginn des digitalen Fernunterrichts in Woche 1-3:

#HomeSchooling goes #VideoSchooling in der #COVID19 Woche 3. Bei meiner Tochter (9) und den Klassenkameraden strahlende Gesichter bei der #Teams Einführung. Alle haben sich endlich wiedergesehen – Digitalisierung sei Dank!

Meine Erkenntnisse der erste Woche:

💪🏻Die Kids sind sehr fit: Alle machen Kamera an. Und in Windeseile wird ein Gruppenchat renamed als „Klassenchat ohne Lehrer“ – wow!

🙋🏼‍♀️Melden klappt natürlich nicht! Hier gibts die Regel, wer was sagen will hebt ein Handsymbol im Chat. So kommt jeder auch dran. Hilfreich auch, wenn der Lehrer alle mit einmal stummschalten kann.

👩‍🏫Es gibt einen Klassenraum, Schulwochen sind als Kanäle angelegt mit jeweiligen Aufgaben. Ergebnisse oder Gemaltes können wieder hochgeladen werden. Mail-Chaos adé!

📈Am ersten Tag waren 70% bereits freiwillig anwesend. Am Tag 3 dann 100%. Mittlerweile gibt es täglich Sessions, auch in kleineren Gruppen. Gestern wurde so zum Beispiel ein neues Mathethema eingeführt, jeder musste den Rechenweg am Whiteboard erklären.

Absolute Begeisterung, wie spielend die Kinder die digitalen Möglichkeiten annehmen, auch wenn der „normale“ Unterricht natürlich allen fehlt. Was für ein Schritt! 🙌🏻[…]

Im zweiten Teil resümiert er nach 4 Wochen:

#HomeSchooling Teil 2 und 3 Wochen später…. Microsoft Teams in der Schule wächst und gedeiht. Nach einer Probe in der 3. Klasse starten nun alle Grundschulklassen durch 👩‍🏫. Ich habe meinen letzten Artikel aufgegriffen und die damalige Momentaufnahme nun erweitert und reflektieret. Was hat sich seit dem weiter entwickelt und was vielleicht auch nicht, welche Rituale und welche Kompetenzen entstehen:

1. Technologische Kompetenz – Fast forward!

Die Kids sind sehr fit: Alle machen die Kamera an. Und in Windeseile wird ein Gruppenchat renamed als „Klassenchat ohne Lehrer“ – wow!

Das kann ich immer noch ganz klar unterstreichen! Die Kinder entwickeln sich von Woche zu Woche sehr stark weiter. Chats, Konferenzen, Meetings mit Video, mit eigenem Hintergrund, Bildschirm-Teilen – ich zeig dir wie das geht – all dies sind Fähigkeiten, die sie sehr schnell entwickelt haben. „Dreh dich mal um, ist da dann etwa auch ein Klassenzimmer?“ 😏 Es wird gelikt, auch das zornig Icon habe ich mal gesehen, gifs und clips – alles wird ausprobiert! Und all die Begriffe nutzen sie zunehmend in ihrer Alltagssprache. Teams wird nun auch in der 1. Klasse genutzt, um im Kontakt zu bleiben. Es werden Fragen zu den gestellten Aufgaben besprochen, von den Osterferien berichtet, die gemalten Bilder hochgeladen und die ersten Lerninhalte vermittelt. Die jüngeren Schüler benötigen noch etwas Unterstützung der Eltern, wohingegen die Drittklässler bereits selbstständig Teams benutzen und es zu ihrem Kommunikationswerkzeug auch abseits der Schulthemen gemacht haben.

Tipp: Einen Klassentermin kann man auch mal mit Emojis beginnen, der Lehrer fragt, wie geht es Euch... geantwortet wird mit Emojis oder gifs oder alle setzen sich beim nächsten Termin einen Hut auf oder malen sich einen Schnurrbart an, so kommt das Soziale durch Kamerainteraktion nicht zu kurz!

2. Klassenrituale – gerade im Digitalen

Melden klappt natürlich nicht! Hier gibts die Regel, wer was sagen will hebt ein Handsymbol im Chat. So kommt jeder auch dran. Hilfreich auch, wenn der Lehrer alle mit einmal stummschalten kann.

Wenn ein Klassenmeeting ansteht, nimmt sich der Lehrer wirklich viel Zeit, um jedes Kind einzeln zu begrüßen. Damit wird es auch sichtbar und man merkt sofort, ob Kamera und Ton funktionieren. Wer spricht hat das Mikro an, sonst sind alle stumm. Das klappt in der 3. Klasse gut – in der 1. Klasse ist das noch so eine Sache. Da ist immer noch mehr gleichzeitiger Redebedarf erkennbar. Anheften des Videos z.B. des Lehrers führt dazu, dass dieser immer für alle sichtbar ist. Die kommende 3×3 Ansicht, hilft dem Lehrer noch mal zusätzlich, den Kontakt zur Klasse zu halten. Ebenfalls sehr nützlich, die Handzeichen Funktion, die kurzfristig zur Verfügung steht.

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Tipp: Wenn jeder als ersten Schritt auf "Nicht stören" stellt, dann wird man in der Klassenstunde auch nicht von Erwähnungsfenstern abgelenkt.

3. Klassenraum einrichten – für mehr Übersicht

Es gibt einen Klassenraum, Schulwochen sind als Kanäle angelegt mit jeweiligen Aufgaben. Ergebnisse oder Gemaltes können wieder hochgeladen werden. Mail-Chaos adé!

Wie im richtigen Schulalltag, ist das Einrichten des Klassenraums nützlich, um schnell Dinge wiederzufinden. Empfehlungen im Digitalen gibt es viele, wenn man z.B. „Klasse 1a“ als Teams-Namen verwendet, dann sollte man unbedingt den Jahrgang noch mit verwenden, da es ja jedes Jahr neue erste Klassen geben wird. Wenn man immer den gleichen Raum verwendet der quasi mitwächst, dann schleppt man wahrscheinlich eine Vielzahl an Inhalten, Kanälen etc. über die Schulzeit mit rum, was schnell sehr unübersichtlich wird. Wir hatten uns entschieden, zunächst in der COVID-Zeit den Klassenraum nach Wochen 1 bis n zu strukturieren, jede Woche gibt es viele Aufgaben aus verschiedenen Fächern. Tabs für Wochenpläne und Lernvideos schaffen zusätzlich einen Überblick.

Tipp: Wenn man ein übergreifendes Quiz am Ende der Woche erstellt, kann man den gesamten Lernfortschritt fächerübergreifend erfassen. Zudem steigert es die Motivation, die gestellten Aufgaben sorgfältig zu bearbeiten, um im Quiz gut abzuschneiden.
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4. Teilnahme, Arten und Intervall – der richtige Takt

📈Am ersten Tag waren 70% bereits freiwillig anwesend. Am Tag 3 dann 100%. Mittlerweile gibt es täglich Sessions, auch in kleineren Gruppen. Gestern wurde so zum Beispiel ein neues Mathethema eingeführt, jeder musste den Rechenweg am Whiteboard erklären.

Hier zeigt es sich, dass die Kinder ein wirklich ernstes Interesse haben, sich zu treffen! Man merkt dies zum Beispiel auch daran, dass es seit neustem eine virtuelle Mädels Quatschrunde ab 17:00 Uhr gibt. Und es ist auch klar, dass vielleicht Mathesessions weniger Spaß machen als Basteln. Ja, es gibt Donnerstags einen Bastelkanal von der Schule („gebt mir ein Like wenn es euch gefallen hat“), wo fast 1,5 Stunden intensiv mit den Kindern gebastelt wird. Die meisten kennen das ja eh von youtube, so dass dies ganz normal erscheint. Es gibt Klassen-Videokonferenzen, Sprechstunden, Gruppentermine und eben jene Bastelstunden. Am Dienstag war Probe für ein Theaterstück, der Pädagoge vergibt die Rollen, die Kinder bestätigen das per Rückmeldung und dann ist jeder dran, mit seiner Textpassage – funktioniert! In der ersten Klasse gab es auch schon Musikunterricht mit der Gitarre oder in Deutsch werden Gegenstände hochgehalten und man muss sie aufschreiben. Die Lehrer nehmen kleine Lernvideos in Deutsch und Mathe auf und stellen sie online bereit. Es gibt unterschiedliche Rückmeldungen zur Häufigkeit der Videotermine: Die einen, die ihren Arbeitsrechner dafür hergeben müssen, wollen weniger Termine dafür längere, die anderen wollen noch regelmäßiger Schultermine für Ihre Kinder!

Tipp: Wenn die Termine gut kommuniziert sind, nehmen nach wie vor fast alle Kinder teil. Hier hilft der Teamskalender als Stundenplan für mehr Übersicht - da braucht keiner in den Mails zu suchen.
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Im letzten Teil seiner Videoschooling-Lernreise als Elternteil blickt Peter Geißler auf die kommende Zeit und macht sich Gedanken zum nächsten Schuljahr 2020/21, das aller Wahrscheinlichkeit nach ein hybrides sein wird. Er spricht von der digitalen Schule, dem vernetzten Klassenzimmer und dem erweiterten digitalen Ganztagesangebot.

Hier geht es zu seinem Bericht auf LinkedIn.

Vielen Dank an Peter Geißler für diesen wertvollen Input!

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