Bildungsinstitut, Eltern, Lehrende, Lernende, Prinzipien und Empfehlungen

Fit for future: Digitalisierung der Schule ganzheitlich denken

Fit for future: Digitalisierung der Schule ganzheitlich denken

Digitalisierung im Galopp

Das neue Schuljahr 2020/21 ist bereits in vielen Bundesländern angelaufen. Erste Erfahrungsberichte wurden gesammelt, Digitalisierungspläne verabschiedet und Pandemiepläne inzwischen schon wieder angepasst. Ein einzelnes Bundesland (NRW) hat sogar Lehrer-Endgeräte in Aussicht gestellt. Schaut man sich das Vorgehen der einzelnen Kultusministerien an, kann man Bemühungen erkennen jetzt das nachzuholen, was die letzten Jahrzehnte in Sachen Schuldigitalisierung versäumt wurde. Dennoch fehlt es in vielen Bundesländern an Empfehlungslisten für  Software und Tools für den digitalen bzw. hybriden Unterricht und für so etwas wie eine „Digitalisierungsstrategie“. Im Wirtschaftsumfeld würde man dies Roullout nennen.

Viele Schulleitungen sind immer noch auf sich allein gestellt, wenn es darum geht ein passendes Lernmanagementsystem oder eine geeignete Schulverwaltungssoftware für ihre Schule auszuwählen. Für die Installation präferierte Systeme gibt es meist Hilfe vom Schulträger, welcher IT-Systemhäuser beauftragt. Fortbildungen allerdings müssen entweder extern eingekauft werden oder können von den landesbeuaftragten Weiterbildungszentren in Anspruch genommen werden. Fördergelder für digitale Ausstattung sind durch den Digitalpakt da, wurden bisher aber nur zu 0,3% (!) abgerufen, da das Antragsverfahren kompliziert und langwierig ist. Spätestens jetzt fällt auf: Das als im Frühjahr begonnene adhoc- und Brandlösch-Vorgehen kann kein Dauerzustand sein. Es fühlt sich bisweilen an wie ein hingestellter Futternapf: „Hier hast du ein eLearning-System. Nun friss und mach mal.“ Viele Lehrer-Kollegien werden allein gelassen mit ihren Wünschen und Bedürfnissen nach Begleitung und Betreuung. Denn das braucht es nun vor allem: Begleitung und Unterstützung aller am Schul-Change Beteiligter.

Schul-Change geht nicht von allein

Denn wir stehen mit der Einführung eines Lernmanagement- oder Kollaborationssystems vor einem tiefgreifenden Wandel jeder einzelnen Schule. Ein Wandel des Unterrichts, der Zusammenarbeit im Kollegium, der Arbeitsabläufe und Kommunikationsprozesse. Digitalisierung kann nicht mal eben mit dem Löffel gegessen werden, worauf ein Skill-Update erfolgt. Vergessen wird der Mensch, also LehrerInnen, Schulleitungen und SchülerInnen, die ihre jeweils ganz eigenen Bedürfnisse und Wünsche mitbringen um diesen Wandel gut zu meistern.

In Unternehmen wird bei der Einführung einer neuen Software, z.B. eines Enterprise Social Netwerk oder LMS, ein umfangreiches Change-Begleitprogramm gestartet. Dies umfasst im Idealfall ein Kombipaket aus Fortbildungen, Handreichungen, Lern-Nuggets, Mentoren-System und „Influencern“. Also jenen Menschen, die voran gehen, begeistert sind und andere anstecken können.

Warum sollen Schulen ohne ein solches Changemanagement auskommen? Und warum werden diese bisher weitgehend damit allein gelassen?

Das Team der Gesellschaft für Zukunftsdidaktik hat sich Gedanken gemacht und ein Schulentwicklungskonzept erarbeitet, das diesen Rollout von z.B. Lernmanagementsystem (LMS) und Schulmanagementsystem (SMS) ganzheitlich abbildet und Empfehlungen zur Begleitung und Unterstützung gibt:

Abb. 1: Digitalisierungs-Changemanagement beispielhaft für eine Mittel-Schule (Sek I und II)

Unser Konzept gliedert sich in die drei Arbeitsfelder:

  • Organisation„, worunter der Verwaltungs und Organisationsbereich gefasst wird,
  • Nutzerzentrierung und didaktische Implementierung„, worunter alle Begleitmaßnahmen und Fortbildungs-Programme für die an der Schule beteiligten Menschen gefasst werden,
  • sowie die „technische Implementierung„, worunter alle IT-administrativen Aufgaben und Bereiche fallen.

Jedes Arbeitsfeld durchläuft die Phase „Vorbereitung„, „Durchführung“ und „Schul-Evolution„. Wir denken den Change-Prozess hier – nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und abgerückt von der Theorie nach John Kotter (1986) – als nicht abgeschlossenen Prozess, der mit der Verankerung der Veränderung endet. Vielmehr sollte sich danach eine agile Routine der Weiterentwicklung und Verbesserung entwickeln, die interativ verläuft.

An unserem Konzept sind maßgeblich sechs verschiedene Rollen beteiligt. In der folgenden Grafik sind fünf dieser Rollen abgebildet, die sich auch im oberen Konzept wieder finden:

Abb. 2: Rollen der am Schul-Change Beteiligter

Mentoren-Programm als Leitplanke

Hinzu kommt ein externes Change- und Didaktik-Experten-Team, welches die Schule methodisch und fachlich, vor allem aber menschlich begleitet als Coach und Moderator. Und zwar über den gesamten Zeitraum der Implementierung hinweg. Dieses Team bildet den Kern des Changeprozesses und wird der ganzen Schul-Familie an die Seite gestellt. Hier erfahren die Schulleitung und das Kollegium Unterstützung bei der Entwicklung eines eigenen, internen Fortbildungskonzepts, sowohl für die Lehrkräfte als auch die Schülerschaft, individuell zugeschnitten für die jeweilige Schule. Je nach Anforderungen und Wünschen können aus einem Baukastensystem Webinare (die schon gehäuft am Markt vorhanden sind), Lernvideos, persönliche Trainings, Direkthilfe am Arbeitsplatz oder andere Weiterbildungsformate angeboten werden.

Zentraler Kern des Fortbildungskonzepts bildet zudem das Mentoren-Programm für Lehrkräfte und das Lotsen-Programm für SchülerInnen. Hier hilft das Change-Team auf Basis einer Blaupause ein entsprechendes Programm aufzubauen, einzuführen und nachhaltig im Schulalltag zu verankern. Durch die enge Begleitung erfahren sowohl Lotsen als auch Mentoren wichtige Skills für ihre Aufgabe und Zusammenarbeit als Team. Team-Coaching-Prozesse gehören hier selbstverständlich dazu.

Ziel des Change- und Didaktik-Experten-Teams ist es, den Change-Prozess anzustoßen, während des Prozesses mit Impulsen zu unterstützen und gleichzeitig die Schule ins selbstständige Weiterarbeiten zu bringen. So kann Digitalisierung nachhaltig an Schulen gelingen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zur Werkzeugleiste springen