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Flipped Classroom Experte Sebastian Schmidt | Podcast Folge 2

Flipped Classroom Experte Sebastian Schmidt | Podcast Folge 2

Wie das Unterrichtskonzept den Umstieg aufs Fernlernen erleichtert hat.

In unserer zweiten Podcastfolge treffe ich Sebastian Schmidt, einen Realschullehrer aus Bayern, Berater für digitale Bildung im Regierungsbezirk Schwaben und Experte für Flipped Classroom. Sebastian ist Klassenlehrer einer 6. Klasse an der Inge-Aicher-Scholl-Realschule in Pfuhl. Seine Unterrichtsfächer sind Mathematik, katholische Religion und IT. Wir sprechen in unserem Interview über den neuen Rahmen, der für den Fernunterricht in der Corona-Zeit gesteckt werden muss. Ein neuer Rahmen, weil der Rahmen „Klassenzimmer“ als Institution und Haltgeber nicht mehr funktioniert. Außerdem listet Sebastian seine neue Unterrichtsumgebung mit mebis-Lernplattform, Messenger, Kollaborationsbereich und Video-Chat als wichtigste Stützen fürs Fernlernen auf. 

Im Podcast-Interview erzählt Sebastian von der Corona-Schulschließzeit und welche Veränderungen er beobachtet hat. So stellt er beispielsweise fest, dass Lernen zeitunabhängiger geworden ist und jeder Schüler zu seiner Lieblings-Uhrzeit arbeitet. Außerdem fällt ihm auf, dass ruhigere Schüler nun viel aktiver sind und brillante Ergebnisse liefern. 

Sebastians Schüler sind Unterricht mit digitalen Elementen bereits gewohnt, denn er praktiziert seit vielen Jahren das Flipped Classroom“-Modell in seinem Unterricht. Das Kooperationsprojekt Lernbüro digital-kooperativ mit über 40 Lehrkräften, welches in diesem Zuge entstanden ist, hat im November 2019 sogar den deutschen Lehrerpreis gewonnen

 

Beim Flipped Classroom bekommen SchülerInnen Erklärvideos, Wissensstoff und Quizzes für den Selbstlernprozess Zuhause zur Verfügung, die sich in ihrem eigenen Tempo aneignen können. Im Klassenraum wird das selbst erarbeitete Wissen dann in der Kleingruppen vertieft oder in Übungen praktisch angewandt. Hier erklärt Sebastian das Unterrichtskonzept selbst per Video:

Sebastian Schmidt ist durch das Flipped Classroom-Unterrichtskonzept inzwischen zum Erklärvideo-Experten geworden, denn er nutzt Erklärvideos gerne um in ein neues Thema einzuführen. Im Laufe der letzten Jahre hat er viel an der Technik und dem Skript eines guten Erklärvideos gefeilt. Er gibt den LeserInnen folgende Tipps mit auf den Weg:

6 Tipps & Tricks zu Erklärvideos

  1. Gutes Mikrofon verwenden: Ein gutes Headset oder noch besser ein USB-Mikrofon verwenden.
  2. Deutlich und auch laut zu sprechen und nicht zu langsam. Wenn deine Schüler etwas verstehen wollen und gerne zuhören sollen, dann hab keine Angst. Sieh dich als Schauspieler, wenn du dein Fachwissen an andere weitergeben willst. Nur weil dich deine eigene Stimme irritiert oder unzureichend erscheint, heißt das nicht, dass deine Stimme schlecht ist. Lass das von Anderen überprüfen. Fast jeder ist bei der eigenen Stimme zu kritisch mit sich selbst.
  3. Mit Perfektionismus sparsam umgehen. Den Text „normal“ sprechen oder unbemerkt ablesen. Im Klassenzimmer wird normal geredet und eine Lehrkraft muss kein Sprechtrainer sein, deshalb darf ein Video authentisch und auch mit kleinen Sprechfehlern behaftet sein.
  4. Nicht zu viel Zeit in die Nachbearbeitung stecken. Die Videoproduktion sollte eigentlich nicht länger dauern, wie das Video am Schluss lang ist. Das geht nicht von Beginn an, man muss auch seine Erfahrungen mit der Software machen. Aber versuche von Beginn an, die Aufnahmen effizienter zu gestalten. Für den Anfang hilft z.B. ein zweiter Bildschirm, auf dem einen startet man die Software und auf dem anderen läuft der Screencast. So spart man sich schon einmal das Wegschneiden von Anfang und Ende. Wenn man immer am Stück aufnimmt, lernt man sich einerseits ordentlich zu artikulieren und benötigt andererseits wieder weniger Zeit. Mein Verhältnis von Vorbereitung des Videos und Videoproduktion beträgt mittlerweile circa 90:10.
  5. Kurze „verdaubare“ Lernimpulse. Vom traditionellen Unterricht her kommend versucht man meist, seinen eigenen Lehrervortrag genauso wie im Unterricht in ein Video zu packen: Hinführung, Ergebnissicherung, Beispielaufgabe. Man erklärt hier noch etwas, was die Schüler unbedingt wissen müssen und beschreibt da noch ausführlich, welche weiteren Möglichkeiten es gibt und ehe man es sich versieht, ist ein Video 20 Minuten lang. Deine Schüler werden schon beim “Darauf-Klicken” keine Lust haben, es ganz anzusehen, ganz zu schweigen von der didaktischen Sinnhaftigkeit. Deshalb ist das Schreiben eines kurzen „Drehbuchs“ ganz wichtig, sowie die Empfehlung Erklärvideos am besten nicht länger als 3 Minuten lang zu machen.
  6. Rhythmisiere den Unterricht neu. Überlege dir an welcher Stelle des Unterrichts welcher Lehrerinput notwendig ist und wann Schüler etwas selbst erarbeiten können. Mache nicht den Fehler wie ich und erstelle für jedes kleine Problem ein ausführliches Video. Fernlernen in der Corona Krise stellt alles auf den Kopf. Man sollte mit der veränderten Situation nicht den Fehler machen, alte Strukturen in neue zu pressen, sondern versuchen, den Unterricht trotz der zeitweiligen Lehrerzentrierung in den Videos schülerorientiert zu öffnen.

Wer mehr Infos und Hilfestellungen zu Erklärvideos möchte, schaue sich gerne diese umfangreiche Info-Seite vom Bayerischen Infoportal für Lehrkräfte “mebis” an.

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