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Neue Lern- und Begegnungsräume | Podcast Folge 7

Neue Lern- und Begegnungsräume | Podcast Folge 7

In der neuen Podcast-Folge geht es dieses mal nicht ums Digitale, sondern um die Schulentwicklung und Schulveränderung einer staatlichen Gesamtschule. Ulrich Ziehn ist Lehrer und didaktischer Leiter an einer kooperativen Gesamtschule in Pattensen, einer Kleinstadt nahe der Metropole Hannover. Die Ernst-Reuter-Schule geht einen ganz besonderen Weg im Lehren und Lernen und hat sich bereits 2015 auf den Weg gemacht Schule neu zu denken. Inspiriert wurden sie dabei vor allem von Magret Rasfeld und ihrer evangelischen Schule Berlin Zentrum.

Die Reise begann mit der Schulleiterin, die von Magret Rasfelds Buch „Schule im Aufbruch“ inspiriert aus den Schulferien zurück an die Schule kehrte. Nachdem Magret Rasfeld ein paar Monate später selbst zu Besuch an die Schule kam und einen Vortrag übers Lernen und Potentialentfaltung hielt, war der Funken bei vielen Lehrkräften plötzlich entzündet Schule richtungsweisend zu verändern. Es folgte ein Jahr der Hospitationen an verschiedenen „Schulen im Aufbruch“ und anderen Schulen mit innovativen Lehr-Lernkonzepten in ganz Deutschland. Lehrkräfte, die dort hospitieren und lernen wollten, wurden für diesen Zeitraum frei gestellt.

Ab da begann ein langjährigen Prozess der Schulentwicklung, der bis heute anhält. Im Schuljahr 2016/17 startete eine Pilotphase zur Erprobung neuer Unterrichtskonzepte: Die Schule probiert immer wieder verschiedene Unterrichtskonzepte und Ideen aus, reflektiert und evaluiert diese und passt sie entsprechend an. Im Kern steht dabei die Frage: „Lässt sich das Konzept auch auf andere Fächer übertragen?“

Lernelemente der KGS Pattensen

Kooperation in der Klasse und im Kollegium

Elemente eines neuen Bildungsverständnisses sind an vielen Ecken der KGS Pattensen sichtbar: So ist bereit seit vielen Jahren eine Besonderheit des Schulkonzepts die kooperative Eingangsstufe. D.h. Der Unterricht der Jahrgänge 5-7 findet nicht mehr getrennt nach Schulzweigen, sondern in schulzweigübergreifenden Klassen statt. Hierfür wurden Lernangebote auf verschiedenen Anforderungsniveaus geschaffen, z.B. in Form von individualisierten Lernformaten, als kooperative Lerneinheiten mit unterschiedlichen Aufgaben und unterschiedlichen Rollen für die Schülerinnen und Schüler, in Form projektorientierten Arbeitens, als Helfersysteme etc. Hiermit wird gleichzeitig das selbstgesteuerte Lernen gefördert. Gleichzeitig ist eine neue Kooperation im Kollegium entstanden: Lehrkräfte in der Eingangsstufe unterrichten im Team und entwickeln gemeinsam „Lernpakete“.

Neues Fach „Herausforderung“

Neu eingeführt wurde wie an der ESBZ auch das Fach Herausforderung, das Jugendlichen der 9. Jahrgangsstufe 11 Tage lang die Möglichkeit gibt, eine persönliche Herausforderung zu meistern. Hierfür bekommen sie 130€, das Smartphone bleibt zu hause. Begleitet werden sie dabei von StudentInnen der Universität Hannover, die hierfür vorbereitet werden. Weitere Begleiter können sein: ErzieherInnen im 2. Jahr der Ausbildung, Azubis, Freiwillige aus Pattensen und Umgebung. Diese weiteren Begleiter erhalten ebenfalls eine Kurzausbildung in ihre Rolle als Begleiter. Die Begleiter werden ein Handy dabei haben, um erreichbar zu sein und selber notfalls handeln zu können.

Vorbereitet wird das Projekt im Rahmen des Projektunterrichtes in Jahrgang 8, welcher bei einem Klassenlehrer stattfindet sowie weiteren Lehrkräften aus dem Herausforderungsteam und externen Partnern. Die Durchführung, oder auch „Herausforderung“ der SchülerInnen findet dann im Sommer des 9. Jahrgangs statt.

Die Oase und „Life-Coaching“

Im Zuge einer Neugestaltung des Schulgebäudes konnte die „Oase“ geschaffen werden – ein großer Kreativ- und Begegnungsraum mit Rückzugsecken, Atelier, Konzertflügel und Lounge-Möbeln für das Lernen in Gemeinschaft.

Die Oase der KGS Pattensen
Die Oase der KGS Pattensen

Ganz besonders spannend ist auch das Konzept der Life-Coaches: Hierzu gehören Menschen aus dem Schulumfeld, ehemalige Kollegen, ältere Menschen aus der Stadt und Umgebung. Diese Menschen kommen an die Schule und hören den Kindern und Jugendlichen zu, geben Unterstützung als Lernpartner, erzählen Geschichten und lassen an ihrer Lebenserfahrung teilhaben. Jeder Schüler, jede Schülerin darf sich einen Life-Coach wählen und diesem in der Oase nach Absprache begegnen, auch während der Unterrichtszeit.

Im weiteren Teil des Podcast-Interviews rede ich mit Ulrich Ziehn darüber wie alle Beteiligten auf diesem Weg mitgenommen werden konnten, Eltern wie Schüler und auch Lehrkräfte, die neu an die Schule kommen. Zuletzt gibt er folgende Tipps an alle Lehrkräfte mit, die Schule „von innen heraus“ verändern wollen.

„Wenn man wirklich gestalten möchte, wenn man Spaß hat Veränderungsprozesse einzuleiten, daran mituwirken und kreativ zu sein, dann lohnt sich das!“

Ulrich Ziehn

Wie gelingt Schul-Veränderungen?

Was braucht es dafür?

  • Mut (Mutkarte von Magret Rasfeld) als Grundvorraussetzung für Schulveränderungsprozesse
  • Kraft um Widerständen zu begegnen

Welche Schritte kann ich gehen um Veränderungen in Schule zu initiieren?

  • Verbündete suchen, denn Einzelkämpfer werden nicht glücklich und sollten lieber die Schule wechseln
  • Mit Verbündeten als Gruppe an die Schulleitung richten und Pilotprojekte initiieren
  • Es ist schwierig, gegen eine Schulleitung, die ein konservatives Schulumfeld bewahren möchte, anzugehen
  • Funken entzünden um Begeisterung zu wecken
  • Authentische Begegnung machen den Funken aus (Margrets Besuch und Vortrag in der Schule): Deswegen am besten Begegnungen schaffen!

Vielen Dank an Ulrich Ziehn an dieser Stelle für das inspirierende Interview und vor allem auch an Mirjam Gerull, Schulleiterin der KGS Pattensen, die dieses Gespräch erst möglich gemacht hat. 🙂

Bildrechte: Ulrich Ziehn

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