Bildungsinstitut, Eltern

Offener Brief an die Kultusministerien

Offener Brief an die Kultusministerien

Die Webseite der Kultusministerkonferenz berichtet zum Ergebnis des 27.4.:
"Das Konzept enthält bundesweite Rahmenbedingungen unter anderem zur Hygiene an Schulen, zur Schülerbeförderung sowie zur Organisation von Unterricht – auch im Hinblick auf eine weiterhin hervorgehobene Bedeutung des digitalen Lernens." Schön, dass die Bedeutung dort hervorgehoben wird. Das hilft nur keinem, es fehlen Handlungsanweisungen, die sich scheinbar keiner herauszugeben traut.

Thiemo Laubach ruft die Verantwortlichen auf: Handeln Sie jetzt und regeln Sie später! Gehen Sie vom Groben ins Feine und versuchen Sie nicht ein wasserdichtes Konzept zu erstellen! Die Leidtragenden des digitalen Bildungsvakuums sind unsere Kinder.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Situation der Kinder in meinem direkten Umfeld hat eine Drittklässlerin traurig aber treffend zum Ausdruck gebracht:

"Mama, wenn mich dieses Corona nicht krank macht, dann macht mich bald krank, dass ich meine Freunde nicht mehr sehe."

Ich arbeite bereits seit neun Jahren von zuhause per Videokonferenz und mit Plattformen zur Zusammenarbeit und habe die Beratung dazu auch zum Mittelpunkt meiner beruflichen Tätigkeit gemacht. Zum Beginn der Schulschließung habe ich zwei Schulen vor Ort meine Hilfe angeboten (ehrenamtlich und kostenlos), um ihnen digitales Distanzlernen zu ermöglichen.

Bei der einen Schule bin ich schlicht an der pädagogischen Arroganz des Verantwortlichen abgeprallt und die Hilfe wurde dankend abgelehnt. Bei der anderen Schule war die Reaktion ebenfalls verhalten, aber diesen Fall möchte ich genauer berichten.

Durch Initiative einer unfassbar engagierten Lehrerin habe ich sie in ein DSGVO konformes Programm für Video, Chat und Zusammenarbeit eingeführt, so dass sie sich nach wenig Zeit in der Lage fühlte damit virtuelle Klassensitzungen abzuhalten. So hat sie auch nach den Osterferien mit vier Jahrgängen die ersten Videokonferenzen abgehalten - weniger, um Unterricht zu machen, sondern zunächst einfach nur, um die Kinder "endlich mal wiederzusehen" und Fragen zu den Aufgaben etc. klären zu können.

Dieses Vorgehen erregte bei der Schulleitung größtes Missfallen und wurde umgehend untersagt. Als Grund wurden "datenschutzrechtliche Unsicherheiten" genannt, die bis zum heutigen Tag gegenüber der Elternschaft nicht näher spezifiziert werden konnten. Die Elternschaft reagierte irritiert, denn eines hatte der freiwillige Testlauf der Videokonferenzen auf jeden Fall bewirkt: leuchtende Kinderaugen. Wie mir berichtet wurde liefen die auf 30 Minuten angelegten Videokonferenzen teilweise nach 1,5 Stunden noch zwischen den Schülern.

Den Gipfel des Unverständnisses erreichten wir aber, als die Schulleitung die Videokonferenzen wieder dulden wollte. Allerdings nur, wenn die Lehrer gegenüber der Schule unterschreiben würden, dass sie das volle Risiko dafür selbst tragen.

Das Entscheidende ist aber: auch wenn ich das Krisenmanagement der Schulleitung in höchstem Grade missbillige - es war ihr gutes Recht das so zu tun. In Ermangelung an klaren Vorgaben, die verständlich und vor Ort umsetzbar sind.

Die Kultusministerien sind verantwortlich für diesen Missstand. Seit Wochen werden die Schulen und Lehrer ohne pragmatische Handlungsanweisungen in einem Schwebezustand gelassen - zu Lasten der Kinder!

Wie gesagt, man kann sich hinter der fehlenden Klarheit einer Regelung verstecken - so wie es die Schulleitung in diesem Fall getan hat, oder man nutzt den entstehenden Handlungsspielraum, um etwas zu bewirken - so wie es die engagierte Lehrerin tun wollte.

Ich fordere von Ihnen eine umgehende Vorgabe für den Handlungsrahmen, in dem sich engagierte Schulen und Lehrer bewegen können. Gemäß des Ergebnisses der Kultusministerkonferenz vom 27. April sollen nun Konzepte vorgelegt werden.

Bitte machen Sie es nicht wie immer! Neue Probleme können wir nicht mit altem Denken lösen! Konzepte sind toll, aber jetzt brauchen wir Ansagen, und zwar wenige. Und solche, die jeder versteht.

Im Kern sind es zwei Fragen, die immer wieder in ähnlicher Form aufgetaucht sind in den letzten Wochen:

  1. Welchen Kriterien muss die eingesetzte Software genügen, damit sie zum Einsatz kommen darf? Beispiel: DSGVO konforme Datenhaltung, Datenspeicherung in der EU?
  2. Welche Einverständniserklärung können oder müssen Schulen und Lehrer von den Eltern einholen, damit digitale Lehr- und Lehnmethoden angewendet werden können? Nicht theoretisch - stellen Sie einen Vordruck zur Verfügung!

"Ja, so einfach ist es eben nicht…" höre ich Sie sagen. Stimmt. Wenn Sie es wie immer machen! Aber… könnten wir so nicht einfach anfangen und dann erst immer detaillierter werden? Und nicht gleich das große allumfassende Konzept entwerfen? Vielleicht stellen wir ja auf dem Weg fest, dass wir mit einer 80%-Lösung schon wunderbar arbeiten können?

Wie oben bereits gesagt, neue Probleme mit altem Denken zu lösen hat noch nie besonders gut funktioniert.

Wenn Bürokratie und Bundesbedenkenträgertum zusammenkommen leiden in diesem Fall die schützenswertesten Wesen, die es gibt: unsere Kinder.

Ich fordere Sie auf Lösungen zu schaffen. Jetzt. Welche Werkzeuge sind unter welchen Bedingungen erlaubt und was müssen die Eltern dafür ggf. unterschreiben. Das passt auf zwei DIN A 4 Seiten.

Es gibt viele engagierte Schulen und Lehrer, die sich gerade in einem Graubereich bewegen. Nur weil Sie das einzige Richtige tun: dafür sorgen, dass Kinderaugen wieder leuchten.

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